Zur Lage
2008-12-22 21:39
Berlin
- Arme Kinder drohen aus Sicht des Kinderschutzbunds zu Verlierern der
aktuellen Wirtschaftskrise zu werden. Schon in den vergangenen
Boomjahren sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen aus
Hartz-IV-Familien auf 2,5 Millionen gestiegen, sagte Verbandspräsident
Heinz Hilgers der Nachrichtenagentur AP in Berlin. «Das wird die
Wirtschaftskrise nun noch verschärfen.» Dringend nötig sei eine
Aufstockung des Hartz-IV-Regelsatzes für Heranwachsende. Auch der
Kinderzuschlag für Geringverdiener müsse steigen.
Der
Hartz-Regelsatz für Kinder beträgt aktuell 211 Euro monatlich, das sind
60 Prozent der Zahlung an Erwachsene. «Die Summe ist gegenüber den
wirklichen Bedürfnissen eines Kindes sehr respektlos», sagte Hilgers.
Der Bedarf von Kindern müsse gesondert berechnet und erhöht werden - je
nach Alter auf 276 bis 325 Euro. «Ein Erwachsener kann mit dem
Wintermantel und seinen Schuhen vielleicht ein paar Jahre auskommen.
Kinder brauchen aber jedes Jahr einen neuen Anorak und noch öfter neue
Schuhe.»
Hilgers klagte zudem über die wachsende Zahl von
Aufstockerfamilien mit niedrigen Einkommen, die zusätzlich Hartz-IV
beziehen müssen, weil sie anders ihre zwei oder drei Kinder nicht
ernähren können. Um ihnen zu helfen, müsse der Kinderzuschlag von
aktuell 140 Euro im Monat kräftig steigen, meinte Hilgers. «Ich schlage
175 Euro ab dem ersten Kind vor und 225 Euro ab dem dritten Kind. So
könnten 700.000 Aufstockerfamilien aus dem Hartz-IV-Bezug geholt
werden. Denn mit dem jetzigen Zuschlag werden nur knapp 200.000
erreicht.»
Schulstarterpaket «völlig unzureichend»
Scharfe
Kritik übte Hilgers auch am neuen «Schulhilfspaket» von 100 Euro je
Schuljahr für Kinder aus Hartz-IV-Familien. Der Zuschuss für Bücher,
Hefte und Ranzen sei «völlig unzureichend und hat mit dem wahren Bedarf
nichts zu tun», sagte er. «Wir haben im Berliner Wedding versucht,
einen Erstklässler so günstig wie möglich mit dem Nötigsten
auszustatten. Wir sind in keinem Fall unter 300 Euro gekommen.»
Der
Verbandspräsident beklagte zudem, dass trotz aller politischen
Anstrengungen die Bildungschancen armer Kinder in Deutschland deutlich
schlechter seien als die wohlhabender Kinder. Vor diesem Hintergrund
sei es unverständlich, dass mit sinkenden Schülerzahlen der Staat immer
auch die Zahl der Schulen verringere und Lehrerstellen kürze. «Sinnvoll
wäre es aber, das Geld im System zu lassen, obwohl wir weniger Kinder
haben. Daraus könne ein pädagogischer Qualitätsschub» entstehen. Das
wäre eine wichtige Maßnahme», sagte Hilgers.
Hilfe zur
Selbsthilfe sei auch in punkto Bildung die beste Vorsorge, sagte er.
«Sonst werden aus armen Kindern wieder nur Leistungsempfänger und nicht
Leistungsträger. Das ist nicht nur eine menschliche Katastrophe,
sondern auch eine ökonomische.»
Kinder häufiger arm als Erwachsene
Kinder
in Deutschland sind häufiger arm als Erwachsene. Die Anzahl der Kinder,
die in relativer Armut aufwachsen, ist in den letzten zehn Jahren
gestiegen. Dagegen ist die allgemeine Armut kaum gewachsen.
Ein
Bericht der Bundesregierung aus dem Mai hat hohe Armutsrisiken für
bestimmte Gruppen von Kindern und Jugendlichen ermittelt. So sind etwa
40 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden von Armut bedroht. Aber
auch 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel der Kinder
von Hartz-IV-Empfängern sind betroffen.
Quellehttp: http://www.net-tribune.de/article/221208-38.php
Claudia Heine
Keine Erhöhung von Hartz-IV
SOZIALES
Der
Bundestag hat eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze abgelehnt. Mit den
Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP wurden am 19. Dezember zwei Anträge
von Linksfraktion und Bündnis 90/Die Grünen abgewiesen, mit denen beide
Fraktionen eine Anhebung der Regelsätze beim Arbeitslosengeld II (ALG
II) und bei der Sozialhilfe erreichen wollten.
Der Antrag der
Grünen (16/7113), der wie jener der Linken (16/7040) bereits Ende 2007
erstmals beraten worden war, forderte, die Anpassung der Regelsätze
künftig an den Lebenshaltungskostenindex zu koppeln. Die Praxis, die
Anpassung an die Entwicklung der Renten zu koppeln, sei realitätsfern.
Zudem forderten die Grünen, die Regelsätze für Kinder und Jugendliche
auf eine neue Berechnungsgrundlage zu stellen.
Die
Linksfraktion hatte argumentiert, dass über 7 Millionen Menschen, die
ALG II und Sozialhilfe beziehen, von Armut bedroht seien. Die
Regelsätze seien zu niedrig, um die notwendigen Bedarfe zu decken, so
die Fraktion. Sie forderte deshalb deren Erhöhung auf 435 Euro. In
einem dritten, ebenfalls abgelehnten Antrag (16/8761), hatten die
Grünen ihre Vorschläge zum Kampf gegen Kinderarmut konkretisiert. Sie
forderten darin unter anderem, armen Kindern kostenloses Schulessen
bereitzustellen und ihnen die Teilnahme an kommunalen Sport- und
Musikangeboten zu gewähren.
Union und SPD kritisierten, den
Anträgen fehle ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung der Kinderarmut, zudem
sei die Herleitung der Forderungen nach einer Erhöhung der Regelsätze
nicht nachvollziehbar. Die FDP begründete ihre Ablehnung unter anderem
damit, dass bei mehr Bargeld in Form eines höheren Kinderregelsatzes
nicht gewährleistet sei, dass dieses Geld auch tatsächlich in den
Bedarf der Schulkinder fließe.
Ausdruck aus dem Internet-Angebot der Zeitschrift "Das Parlament" mit der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte"
Ausgabe 52 vom 22.12.2008
© Deutscher Bundestag und Bundeszentrale für politische Bildung, 2008.
Kinderarmut: Für Geschenke bestraft
Wie kann man einem Kind, das von HarzIV lebt, ein Geschenk machen? Geldgeschenke zur Erfüllung eines besonderen Geburtstagswunschs beispielsweise, könnten als "Einkommen" gelten und zu einer entsprechenden Kürzung der Unterstützung führen.
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,7273803,00.html
Newsletter Gegen Kinderarmut e.V.
Mitgefühl
„Das Herz gleicht einem Garten. Es kann Mitgefühl oder Angst, Groll oder Liebe wachsen lassen. Was für Keimlinge willst du darin anpflanzen?“
Buddha
